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Diabetes im Alter: Besonderheiten in der Therapie
Alte Menschen weisen häufig komplexe gesundheitliche Probleme auf, die an die ärztliche Therapie hohe Anforderungen stellt. Bei der Betreuung älterer Diabetes-Patienten ist die Alltagskompetenz des jeweiligen Patienten individuell zu beurteilen. Zudem sind bei der medikamentösen Therapie Besonderheiten bei alten Menschen zu beachten.
Diabetes

Diabetes im Alter

Diabetes im Alter ist nicht selten. Nach Angaben des Diabetes Ratgebers sind von den 75- bis 80-Jährigen beinahe jede dritte Frau und jeder vierte Mann an Diabetes erkrankt. Mit dem Alter steigen die Risiken für andere Erkrankungen und Funktionseinschränkungen – und dies muss in der Therapie des Diabetes berücksichtigt werden.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) berichtet, können bestimmte Symptome, die besonders bei älteren Menschen auftreten, eine Wechselwirkung mit dem Stoffwechsel bei Diabetes aufweisen. Beispielsweise sind ältere Menschen mitunter gebrechlicher, an Demenz erkrankt, inkontinent oder neigen zu Stürzen. Eine Sturzgefahr kann durch Blutzuckerschwankungen noch verstärkt werden, da diese zu Schwindel führen können. Auf der anderen Seite kann Bewegung bei Menschen, die immobil sind, nicht als Therapiemaßnahme in Bezug auf den Diabetes eingesetzt werden.

Darüber hinaus leiden ältere Menschen häufiger unter Gefäßerkrankungen und haben ein höheres Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle bzw. haben solche bereits erlitten. Wenn beispielsweise Störungen bei der Hirnleistung vorliegen, kann dies zu weiteren Problemen führen, wie eine Überforderung, was die Therapie des Diabetes betrifft, so die DGG. Dadurch kann es auch zu weiteren diabetesbedingten Schädigungen kommen, wie Unterzuckerungen.

Therapie an Voraussetzungen anpassen

Doch nicht jeder ältere Mensch ist gleichermaßen fit oder gebrechlich. Bei der Therapie des Diabetes und der Einstellung des HbA1c-Wertes im Alter müssen daher verschiedene Faktoren berücksichtigt werden – u. a. die Erkrankungsdauer, wie gut der Blutzucker vorher eingestellt war und die bereits bestehenden Folgeerkrankungen, was die Gefäße bzw. das Herz-Kreislauf-System angeht. Laut DGG kann es bei einem frisch diagnostiziertem Diabetes ausreichend sein, den Langzeitblutzucker bei 53 mmol/mol (7 %) einzustellen. Dies ist aber beispielsweise nicht der Fall, wenn der Diabetes schon lange besteht, bisher eher schlecht behandelt wurde und es bereits zu Folgeerkrankungen an den Gefäßen gekommen ist.

Vermeidung von Unterzuckerungen

Und auch auf die geistige Fitness kommt es an: Bei geistig regen Patienten, die in einer guten Verfassung sind, können auch strengere Langzeitblutzuckerwerte im Bereich von 47-53 mmol/mol (6,5–7 %) angestrebt werden, denn wenn der Blutzucker gut eingestellt ist, kann dies auch zu einer besseren Lebensqualität führen. Bei gebrechlichen älteren Menschen geht es indes mehr und mehr darum, die Therapie an bestimmten Symptomen auszurichten, die im Alter und mit Diabetes auftreten können. Das kann laut DGG beispielsweise eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit sein oder Komplikationen, die durch Diabetes oder die Therapie auftreten können. So ist es von großer Wichtigkeit, bei älteren Menschen mit Diabetes Unterzuckerungen zu vermeiden.

Risiko von Neben- und Wechselwirkungen

Im Alter werden Medikamente häufig langsamer verstoffwechselt, was einen Einfluss auf ihre Wirkung hat und das Risiko für Nebenwirkungen erhöht.  Wenn sich der Wirkstoff eines Blutzuckersenkers im Blut anhäuft, besteht auch hier die Gefahr für Unterzuckerungen. Ein weiteres Risiko stellt häufig auch die Vielzahl unterschiedlicher Tabletten dar, die ältere Menschen einnehmen. Laut Arzneimittelreport der Barmer GEK nehmen über 80-Jährige durchschnittlich sieben bis acht verschiedene Wirkstoffe ein, z. B. Medikamente zur Behandlung von Gicht oder Arthrose, Blutdruck- und Colesterinsenker sowie blutzuckersenkende Präparate. Auch hier besteht die Gefahr von Neben- und Wechselwirkungen, was bei der Diabetestherapie mit Tabletten berücksichtigt werden muss. Gleiches gilt auch für die Kombination verschiedener Blutzuckersenker für ältere Typ-2-Diabetiker, um deren Blutzuckerwerte optimal einzustellen. Häufig ist hier eine Umstellung auf eine Insulintherapie von Vorteil.

Insulintherapie im Alter

Daher ist die Behandlung von Menschen mit Diabetes im Alter individuell und muss an die jeweiligen Voraussetzungen des Patienten angepasst werden. Dies gilt auch für die eingesetzten Medikamente – orale Diabetika werden beispielsweise über die Niere ausgeschieden, allerdings kann bei älteren Menschen eine eingeschränkte Nierenfunktion vorliegen, die auch durch andere Medikamente hervorgerufen werden kann, beispielsweise bei Medikamenten gegen Bluthochdruck.

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Nach Angaben des Diabetes Ratgeber kann es im Alter sinnvoll sein, auf Insulininjektionen umzusteigen oder Insulin zusätzlich zu oralen Antidiabetika zu spritzen. Am häufigsten, so die Pharmazeutische Zeitung, werden dabei täglich zwei Injektionen eines vorgemischten Insulins pro Tag gegeben, es gibt aber auch andere Formen der Insulintherapie im Alter. Mit einer Insulintherapie gehen für ältere Menschen zudem weitere Vorteile einher: Oft bessern sich mit dem Stoffwechsel auch die Beweglichkeit, das Denkvermögen, Beschwerden wie Schwindel und Müdigkeit verringern sich und somit steigt die Lebensqualität.